Römische Siedlung
Neues zur römischen Siedlung „Villa Rustica“ am Standort „Kloster“
Ewald Adams, Okt. 2026
Auf der heutigen Gemarkung Hinterweiler befand sich am Wirtschaftsweg nach Berlingen zu römischer Zeit ein Landgut von erheblicher Größenordnung und Bedeutung. Die vorliegenden Erkenntnisse aus archäologischer Sicht ergeben eine hochwertige Ausstattung des Haupt- und Wohngebäudes und belegen die herausgehobene Stellung des Eigentümers.
Im Sept. 2025 wurde in Ergänzung einer Begutachtung aus 2014, eine zweite wissenschaftliche Untersuchung mit Hilfe geophysikalischer Verfahren am Standort durchgeführt. Das Ergebnis ist sehr aufschlussreich und kann einem Bericht des Archäologen und Einwohners von Kirchweiler, Eric van der Kuijl, unter der Rubrik „Gemeinde – Römische Siedlung“ auf der Homepage der Ortsgemeinde Kirchweiler eingesehen werden.
Derzeit werden die auf dem Gelände aufgelesenen Fundgegenstände wissenschaftlich erfasst und bewertet. Mit Spannung erwarten wir das Ergebnis. Vorsorglich sei darauf hingewiesen, dass die Suche nach entsprechenden Gegenständen nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Denkmalbehörde zulässig ist.
Besonders bemerkenswert und interessant sind die konkreten Angaben zum Umfang der Bebauung, was wiederum Rückschlüsse auf die durch das Landgut bewirtschafteten Flächen zulässt. Die Porticus-Villa (Gebäude mit Säulengang) bestand aus einem vollständig ummauerten und bebauten Gelände mit Außenmaßen von etwa 121 x 74,6 Metern. Auf der östlichen Seite befand sich das große Hauptgebäude mit Porticus, bestehend aus zwei Ecktürmen mit mehreren dazwischen liegenden, annähernd gleichmäßig angeordneten Räumen. Dieses Hauptgebäude maß 74,6 x 45,8 Meter. Zentral zwischen Hauptgebäude und Eckgebäuden befand sich ein großes Gebäude mit einem Impluvium (vertieftes Wasserbecken). Dieses Gebäude hatte einen Grundriss von 36,1 x 20,2 Meter. Westlich davon standen weitere vier Häuser mit Größen von etwa 150 bis 240 m². Insgesamt war eine Fläche von rd. 7.500 m² bebaut. Im Vergleich weist die Pfarrkirche eine Grundfläche von ca. 420 m² auf.
Als nächstes Projekt steht die Erarbeitung einer bildlichen Rekonstruktion des Anwesens an. Diese soll als 3D-Modellierung erfolgen und an Ort und Stelle über eine Infotafel präsentiert werden. Umsetzbar ist auch die Erstellung einer App, über die eine virtuelle Begehung der Räumlichkeiten möglich wäre. Für die Rekonstruktion fallen Kosten an, die derzeit nicht finanziert sind. Geprüft werden aktuell Fördermöglichkeiten auch im Hinblick auf eine touristische Inwertsetzung durch den Standort unmittelbar am überregionalen Radweg „Ardennen-Eifel-Mosel“.
Die bisherigen Maßnahmen zur Erforschung der römischen Landsiedlung wurden durch das „Chronikteam Kirchweiler“ angeregt und begleitet. Finanziert wurden diese durch Sponsorengelder der Volksbank Eifel-Mitte, heute Trier-Eifel, der Kreissparkasse Vulkaneifel sowie mit Haushaltsmitteln der Ortsgemeinden Kirchweiler und Hinterweiler. Vielen Dank dafür.
Für das Chronikteam Kirchweiler
Ewald Adams
- So könnte die Anlage ausgesehen haben. Es handelt sich um eine Darstellung mit Hilfe von KI und unter Berücksichtigung aller bisher bekannten Fakten. Letztlich ist es Inhalt eines geplanten Projektes, eine wissenschaftlich abgesicherte Reproduktion zu erhalten.
Wissenschaftliche Untersuchungen zur römischen Ansiedlung bei Hinterweiler und Kirchweiler sollen fortgeführt werden
Ewald Adams, Nov. 2024
Auf der heutigen Gemarkung Hinterweiler und in Sichtweite zu Kirchweiler befand sich einst ein römisches Landgut. Dies ist belegt durch eine Vielzahl an Fundstücken, wie Tonscherben und anderen Baumaterialien die auf das zweite und dritte Jahrhundert nach Christus datiert werden konnten. Insbesondere nach Regenfällen waren die Artefakte auf der Oberfläche eines Ackers zu entdecken. Gefunden wurden auch Teile aus dem berühmten römischen Zement sowie Ziegel einer Bodenheizung, Schmuck und Gebrauchsgegenstände. Dies alles deutet darauf hin, dass es sich bei der Ansiedlung um eine „Villa Rustica“ handelte. Fundstücke an dieser Stelle wurden zuvor und über unbekannte Zeiträume hinweg durch die einheimische Bevölkerung einem mittelalterlichen Klosterbau zugeordnet. Daher wird der Flurbereich auch „Im Kloster“ genannt.
Im Jahre 2014 ist es durch geophysikalische Untersuchungen gelungen unterirdische Strukturen, wie Fundamente sichtbar zu machen. Ein weitergehender Beweis für die vermutete Siedlung war erbracht. Deren Ausdehnung konnten bisher jedoch noch nicht abschließend festgestellt werden. Die beteiligten Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Landgut eine erhebliche Siedlungsfläche hatte und bisher nur etwa der vierte Teil der Anlage untersucht wurde. Der in Kirchweiler ansässige Archäologe Eric van der Kuijl initiierte und begleitete die wissenschaftlichen Untersuchungen. Er geht davon aus, dass das Landgut mit einer gehobenen Ausstattung, wie Fußbodenheizung und Wandmalereien, versehen war.
Eine geplante zweite Bodenuntersuchung auf einer Fläche von rund 13,5 ha mittels Magnetometrie soll weitere Erkenntnisse erbringen zur Größenordnung des Gutshofs und dessen wegemäßigen Anbindung. Möglicherweise können auch Grabstätten lokalisiert werden. Ausgrabungen sind nicht vorgesehen. In geeigneter Weise soll jedoch die Öffentlichkeit informiert werden, möglicherweise über eine mit Text und anderen Darstellungen versehene Tafel im Bereich einer Wegegabelung. Das könnte Interesse auch bei Radfahrern wecken, die zukünftig den vorbeiführenden überörtlichen Radweg „Ardennen/Mosel“ nutzen werden.
Ein besonderes Interesse an weiteren Untersuchungen besteht bei der Bevölkerung von Hinterweiler und Kirchweiler, stellt der römische Gutshof wohl die erste nachweisbare Besiedlung des Bereichs dar. Insoweit hat das in Kirchweiler tätige Chronikteam um Altortsbürgermeister Erwin Görgen die seinerzeitigen Maßnahmen begrüßt und begleitet. Unterstützung erfährt das aktuelle Projekt erneut durch die Ortsgemeinde Hinterweiler. Ortsbürgermeister Gerd Mertes hatte seinerzeit für seine Gemeinde die Trägerschaft zur Erstuntersuchung übernommen.
Intensiv eingebunden und unterstützend tätig ist von Beginn an die Landesarchäologie mit ihrer Außenstelle in Trier. Zuletzt im Februar traf sich der leitende Archäologe Dr. Lars Blöck mit einer Gruppe vor Ort. Hierbei hat er deutlich herausgestellt, dass das Gelände dem Landesdenkmalschutzgesetz unterliegt, was Grabungen und auch die Mitnahme von Fundstücken verbietet. Die landwirtschaftliche Nutzung bleibt grundsätzlich unangetastet.
Das Foto von Dr. Martin Adams zeigt von links nach rechts: Rainer Berlingen, Ewald Adams, Erwin Görgen, Dr. Lars Blöck und Eric van der Kuijl.
Seitens der Ortsgemeinde Hinterweiler wurde zur Finanzierung der vorgesehenen zweiten Untersuchung ein Antrag auf Förderung der Maßnahme aus Leadermitteln gestellt. Diesem wurde leider nicht entsprochen.
Inzwischen haben die Kreissparkasse Vulkaneifel und die Volksbank Trier-Eifel Zuschüsse von jeweils 1.500 € bewilligt. Weiterhin haben die Ortsgemeinderäte Kirchweiler und Hinterweiler beschlossen, die ungedeckten Kosten mit der hälftigen Übernahme des Restbetrages in Höhe von rd. 2.800 € zu übernehmen.
Auf dem für die weitere Untersuchung vorgesehenen Gelände wird Landwirtschaft betrieben. Wegen der aktuellen Bewirtschaftungssituation auf einem maßgeblichen Areal, kann die Befahrung zur Magnetometrie bis voraussichtlich nach der Erntezeit 2025, nicht erfolgen. Daher muss die Maßnahme leider zurückgestellt werden.
